Andaakos2. Jh. n. d. Z.

Die hier gezeigte Darstellung ist in die 2. Hälfte des 2. Jh.n.d.Z. einzuordnen. Anfang des 1. Jh.n.d.Z. werden einige sarmatische Stämme, besonders Jazygen und Roxolanen, von den Römern gezielt zur Ansiedlung in der pannonischen Ebene ermuntert, um am östlichen Donaulimes als Puffer zum aufstrebenden Dakerreich zu dienen. Doch es bleibt nicht bei Handelskontakten und Ende des 1. Jh.n.d.Z. unternehmen die sarmatischen Stämme auch Raubzüge in die Donauprovinzen. In diesem Zeitraum fällt auch die Verwüstung skythischer Siedlungen auf der Krim (z.B. Neapolis Skythike), was mit dem Eintreffen sarmatischer Stämme zu erklären ist. Im darauffolgenden Dakerkrieg des Domitian wird die Legio XXI Rapax von den Jazygen komplett aufgerieben. Dies führte natürlich zu militärischen Gegenschlägen wie die Dakerkriege des Kaisers Trajan (98-117) und die Markomannenkriege des Mark Aurel (166-180) belegen.

Doch viele sarmatische Krieger schlossen sich auch als Auxiliare den Legionen an und kämpften auf der Seite Roms. Sie waren als Hilfstruppen durchaus begehrt, denn in der römischen Armee fehlten entsprechende Truppenteile wie z. B. berittene Bogenschützen (bzw. schwergepanzerte Lanzenreiter, sogn. Kataphrakten), die wirksam gegen die feindlichen Stämme hätten agieren können.

Ein sarmatischer Auxiliar dieser Zeit trug seine typische reiternomadische Tracht und dürfte sich in seiner zivilen Ausstattung nicht von jenen Nomaden, gegen welche sie kämpften, unterschieden haben. Die Kleidung besteht aus Reiterhosen, welche in kurzen, durch Riemen stabilisierten Stiefeln stecken. Die außergewöhnliche Kopfbedeckung ist nach einer Abbildung von der Krim gearbeitet. Ein roter Umhang aus Wolle, der von einer römischen Fibel gehalten wird, dient als allround-Wetterschutz und stellt – wie das rote Halstuch – eine Konzession an römische Militärgepflogenheiten dar.

Die Schutzbewaffnung besteht aus einem über der wollenen Tunika getragenen Ringelpanzer. Diese Rüstungsform (bereits im 4. Jh.v.d.Z. von den Kelten benutzt und vermutlich auch entwickelt) kommt in der römischen Armee bereits ab dem 3. Jh.v.d.Z. in Gebrauch. Bei den Sarmaten erscheint sie erstmals um die Zeitenwende und verdrängt dann langsam die vorher gebräuchlichen Schuppenpanzer. Den Schutz komplettiert ein sogn.Skeletthelm, der in mehrerer Hinsicht – wie die zeitgleich aufkommenden Spangenhelme – eine Innovation darstellt: da er aus mehreren Teilen zusammen gesetzt ist und nicht nur aus einem Stück Metall gefertigt wird, lässt er sich schneller und billiger produzieren und ist leichter zu reparieren.

Ein Auxiliar trug mehrere Waffen bei sich, allen voran den gefürchteten reflexen Kompositbogen. Die Pfeile, welche damit verschossen wurden, waren mitunter in mehreren Leder- oder  Rindenköchern verstaut, welche am Gürtel oder Schulterriemen getragen wurden. Als Nahkampfwaffen trägt der Krieger einen Dolch mit dem für diese Zeit charakteristischen Gehänge am Oberschenkel sowie ein Kurzschwert mit dem typisch sarmatischen Ringknauf. Eine Lanze könnte die Ausrüstung eines Reiterkriegers ergänzt haben.

Typisch für die Sarmaten dieser Zeit ist der Schnurrbart, der neben halblangen Haaren der Mode der Nomaden entsprach.

Hier geht es zu den Ausstattungsdetails des Auxiliaren.

Literatur:
Deutsches Archäologisches Institut u.a. (Hg.) (2007): Im Zeichen des Goldenen Greifen. Königsgräber der Skythen, 154.
Krosigk, Hildegard Gräfin Schwerin von (2005): „Über ‘Magische Schwertperlen’ bei Sarmaten, Alanen und Abchasen.“ Prähistorische Zeitschrift 80 (1): 110-133.
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Seipel, W. (Hg.) (2009): Gold der Steppe. Fürstenschätze jenseits des Alexanderreichs.
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Simonenko, Aleksandr V. (2001): Bewaffnung und Kriegswesen der Sarmaten und späten Skythen im nördlichen Schwarzmeergebiet. Eurasia Antiqua 7: 187-326.
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Wieczorek, A. und C. Lind (Hg.) (2007): Ursprünge der Seidenstraße, 295.
Zajcev, Jurij (2013): Neapolis Skythike. In: LVR/LandesMuseum Bonn (Hg.): Krim. Goldene Insel im Schwarzen Meer. Griechen – Skythen – Goten, 252-259.