1. Jh. n. d. Z.

Die Städte entlang der Schwarzmeerküste entwickelten sich rasch zu Handelszentren, welche nicht nur für die gemischte indigen-hellenische Bevölkerung wichtiger Wirtschaftsfaktor war, sondern auch die umliegenden Nomaden mit Waren sesshafter Handwerker versorgte. Vor allem die nomadischen Eliten gelangten über die Handelsplätze der Städte im Bosporanischen Reich an begehrte Luxus- und Prestigeobjekte. Teilweise scheint sich die einst in der Steppe lebende Aristokratie sogar in den Städten oder zumindest in Stadtnähe niedergelassen und bestatten lassen zu haben.

Das trifft auch für die junge Frau von 25-30 Jahren zu, die auf dem Friedhof von Ust’-Al’ma auf der Krim in Gruft 620 in einem Baumsarg beigesetzt wurde. Neben ihr befand sich eine weitere Bestattung eines männlichen Toten in der Gruft. Das Begräbnis datiert in das dritte Viertel des 1. Jh. n. d. Z. und war im Gegensatz zu vielen anderen Grüften glücklicherweise nicht beraubt. Bemerkenswert an der Nekropole von Ust’-Al’ma ist, dass sich städtische Bestattungskultur in Katakomben mit eindeutig nomadischen Bräuchen in Form von spezifischen Beigaben verbinden. Die Tote aus Gruft 620 führte als Angehörige der oberen sozialen Schicht mit Sicherheit kein nomadisches Leben, sondern wurde stadtnah bestattet. Ihre Kleidung und Kopfbedeckung, die darauf aufgebrachten Verzierungen und die Beigabe von Pferdegeschirr berufen sich aber eindeutig auf nomadische Traditionen und Gestaltungsmerkmale.

Hier geht es zur Ausstattung der Bestattung aus Ust’ Al’ma.

Literatur
Loboda, Ivan I., Aleksandr E. Puzdrovskij und Jurij P. Zajcev (2002): „Prunkbestattungen des 1. Jh. n. Chr. in der Nekropole Ust’-Al’ma auf der Krim.“ Eurasia Antiqua 8: 295-346

Крупа, Т.Н. (2007): Исследование археологического текстиля из раскопок позднескифского Усть-Альминского могильника.

Puzdrovskij, Alexandr (2013): „Ust’-Al’ma. Die Siedlung und Nekropole.“ In: LVR-LandesMuseum Bonn (Hg.): Goldene Insel im Schwarzen Meer. Die Krim. Darmstadt: Primus Verlag, 290-323