Schon Herodot beschreibt in seiner Legende über die Amazonen kämpferische Frauen und auf zahlreichen Vasen der klassischen Zeit findet man Darstellungen von „Amazonen“, bewaffneten Frauen in thrakischer oder skythischer Tracht. Offensichtlich war bereits in der Antike das Bewusstsein dafür vorhanden, dass die nomadischen „Barbaren“ aus dem Osten einen völlig anderen Lebensstil pflegten als ihre sesshaften Nachbarn in den griechischen Städten, welcher unter anderem die Teilnahme von Frauen an kriegerischen Aktionen beinhaltete.

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1992 untersuchte eine russisch-amerikanisch-kasachische Forschergruppe das Gräberfeld um Pokrovka (russisch-kasachische Grenze) und stieß dabei auf eine ganze Reihe von Frauengräbern, denen Waffen beigegeben worden waren. Die Gräber lassen sich dem sarmatischen Kulturkomplex zuordnen und sind vornehmlich zwischen dem 4. und 2. Jahrhundert v. Chr. angelegt worden. Da die Grabhügel in Pokrovka nicht im Permafrostgebiet liegen, ist der Erhaltungszustand der Funde größtenteils leider sehr schlecht.
Erhalten sind neben Glas- und Steinobjekten sowohl Metall-, als auch teilweise Holz- und Beinfragmente der Waffen. Besonders häufig wurden Pfeilspitzen gefunden, die gleichermaßen aus Bronze oder Eisen bestehen, jedoch immer die für Skythen und Sarmaten typische dreiflügelige Form haben. Daneben sprechen Funde von Gürtelhaken für die Existenz bereits vergangener Goryte bzw. Köcher, die vermutlich aus Leder waren. Die Anzahl der gefundenen Pfeilspitzen variieren stark, in manchen Gräbern wurden nur sehr wenige, in anderen große Mengen gefunden. In ein paar Gräbern wurden zusätzlich kurze Schwerter oder Dolche gefunden, deren Griffe aus Holz, Metall oder Bein gearbeitet waren.
Es ist unklar, welche genaue Bedeutung es hatte, wenn nur sehr wenige, d.h. für den tatsächlichen Gebrauch unzureichende Pfeilspitzen ins Grab mitgegeben wurden. Der Bestattungskultur der antiken nomadisierenden Stämme lässt sich aber mit Vorsicht eine Weltsicht ablesen, die das Jenseits als Spiegel des Diesseits verstand. Das bedeutet, dass den Menschen nach ihrem Tod alle für den Alltag wichtigen Objekte mit ins Grab gegeben wurden, was mit der Vorstellung verbunden war, dass man diese für das Leben im Jenseits gebrauchen würde. Dabei kann es sich auch nur um rituelle Beigaben handeln (wie z. B. ein Stück Fleisch als Opfergabe oder Miniaturanfertigungen von Objekten). In diesen Kontext könnte man die geringe Zahl an Pfeilspitzen verorten.
Der Großteil der untersuchten Waffen ist jedoch tatsächlich benutzt worden, was sich an Gebrauchsspuren ablesen lässt. Vermutlich waren diese Frauen also tatsächlich als „Kriegerinnen“ aktiv, obwohl man daraus keine matriarchaische Gesellschaft ableiten kann, wie dies teilweise getan wird. Die Griechen sahen die „barbarischen“ Amazonen als krassen Gegensatz ihrer eigenen, „zivilisierten“ Gesellschaft an, indem sie für diese Figuren ein Matriarchat konstruierten.
Grabfunde belegen ein Matriarchat unter den Steppenbewohnern jedenfalls nicht. Vielmehr scheint das Phänomen kämpfender Frauen an die nomadische Lebensweise geknüpft zu sein, die das Einsetzen aller verfügbaren Kräfte im Kriegsfalle (in dem sich diese Völker permanent befanden, wenn man den Quellen trauen darf) nötig machte.
Interessant hingegen ist, dass Frauen, in deren Gräbern Waffen gefunden wurden, ihr soziales Geschlecht (Gender) nicht änderten: so finden sich immer neben den Waffen auch Beigaben, die typisch für das weibliche Geschlecht waren (Schminke, Spiegel, Spinnwirtel, …). Es handelt sich also nicht um Frauen, die als „Krieger“, sondern explizit als „Kriegerinnen“ bestattet wurden.
Literatur:
Ausst. kat. Amazonen. Geheimnisvolle Kriegerinnen, Historisches Museum der Pfalz 2010.

Davis-Kimball, Jeannine und Yablonski, Leonid T. (Hgg): Excavations at Pokrovka 1990-1992. Kurgans on the left bank of the Ilek, Berkeley 1995.